Montag, 28. Januar 2008

Licht ins Dunkel

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Es ist eine Zumutung, sowohl für die Zuschauer als auch die Betroffenen:
Wann immer man in der Zeit von Oktober bis Frühlingsbeginn - und sei es auch nur aus Versehen – das durch Zwangsgebühren finanzierte Fernsehprogramm ORF2 einschaltet, wird man mit Werbefilmen der ORF-Aktion „Licht ins Dunkel“ zugemüllt.

Die unwürdigen Fernseh-Spots zeigen Behinderte in möglichst unvorteilhaften Posen, und anstelle des Einsatzes für Gerechtigkeit und Gleichstellung erschnorrt der öffentlich-rechtliche Rundfunksender mit der Mitleidsmasche Almosen.

So werden Leistungen, auf die der Behinderte Rechtsanspruch (Sozialministerium) hat und für die der Steuerzahler bereits zur Kasse gebeten wurde, frech an Private ausgelagert, sodass ein Gelähmter für seinen Rollstuhl womöglich auch noch dankbar sein muss.

Dabei ist privater Einsatz durchaus wichtig, jedoch nicht über Geldspenden, sondern zum Beispiel durch Arbeits- und Lehrstellenvermittlung.

Und auch der ORF könnte seinen Teil dazu beitragen, indem er dem Fernsehpublikum behinderte Menschen nicht als Objekte präsentiert, sondern sie als Mitarbeiter (Journalisten, Moderatoren, Redaktionsmitglieder etc.) in seinen Betrieb aufnimmt und so der Öffentlichkeit ein Bewusstsein vermittelt, das sich auch auf Kindergärten, Schulen, Berufsleben und Freizeit übertragen würde.

Leidtragende der neuen Vorgangsweise wären dann nur noch die B- und C-Promis, die am 24.12. rund um die Uhr kostenlos um die Wette trällern und deren Aufwandsentschädigung damit entfiele.

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http://herold.twoday.net/stories/4654188/modTrackback

twoblog - 2008.01.28, 09:01

Das also ist Ihr Anblick beim Einschlafen und beim Aufwachen. Aber dazu hätten Sie doch nicht so viel schreiben müssen.

herold - 2008.01.28, 09:22

vielleicht geht ja sogar Ihnen noch einmal ein licht auf.
twoblog - 2008.01.28, 09:37

Das wäre nicht gut für Sie.
herold - 2008.01.28, 10:36

zumindest wenn Sie den kühlschrank öffnen, sollten Sie das erfolgserlebnis haben.
twoblog - 2008.01.28, 13:29

Eigenartig, besonders montags sind Ihre Gegenkommentare immer ganz bespnders lächerlich. Woran mag das wohl liegen?
herold - 2008.01.28, 13:35

für Sie gibt's nächsten montag einen artikel über heidi und den alm-öhi.
twoblog - 2008.01.28, 16:07

Nächsten Montag bin ich nicht mehr bei Twoday.
herold - 2008.01.28, 17:57

leere versprechungen.
sokrates2005 - 2008.01.28, 09:36

Das Bundessozialamt ...

ist übrigens primär für die Schaffung günstiger Bedingungen zur Vermittlung von Behinderten auf Arbeitsplätze zuständig, nicht in erster Linie für Rollstühle.
Leider kaufen sich viele Unternehmen lieber frei, als MitbürgerInnen mit körperlichen Benachteiligungen einzustellen ...

herold - 2008.01.28, 09:42

für "die schaffung günster bedingungen zur vermittlung" als primäres ziel scheint diese institution dann aber doch etwas zu aufgeblasen.
pathologe - 2008.01.28, 09:46

Geht

es nur um körperliche oder auch geistige Behinderung? Nicht dass ich jetzt einen Rückschluss auf eine Bundesbehörde ziehen möchte...
herold - 2008.01.28, 10:27

die konvention der UNO über die rechte von menschen mit behinderung hält fest, "dass alle menschenrechte und grundfreiheiten allgemein gültig und unteilbar sind" und dass menschen mit behinderungen "der volle genuss dieser rechte und freiheiten ohne diskriminierung garantiert werden muss".
pathologe - 2008.01.28, 10:39

Jetzt

verstehe ich auch, weshalb manche Personen, die auf Behindertenparkplätzen parken, so gar nicht behindert aussehen. Weil eben kein Unterschied zwischen körperlich und geistig gemacht werden darf...
herold - 2008.01.28, 10:50

das sind aber dann die, die im denken behindert sind.
gulogulo - 2008.01.28, 11:40

für die sind doch die frauenparkplätze?!
herold - 2008.01.28, 11:51

die sind für gehirnamputierte männer.
pathologe - 2008.01.28, 12:08

Po-

litiker?
herold - 2008.01.28, 12:40

sillerbetrachter - 2008.01.28, 12:49

das nennt sich dann wohl öffentlich rechtliches freikaufen?!

herold - 2008.01.28, 13:01

und zwar auf in jeder hinsicht billige weise.
sillerbetrachter - 2008.01.28, 13:06

wer bezahlt, muss nicht hingucken, oder wie war das noch? ÄTZEND
pathologe - 2008.01.28, 13:10

Ablasshandel

hieß das früher in der Kirche. War das eigentlich nicht auch ein Grund für Martin Luther, seine Thesen an die Kirchentüre zu nageln?
herold - 2008.01.28, 13:14

die katholiken nennen es heute beichte.
Saba (Gast) - 2008.01.28, 13:19

Positiv

angetan von diesem Inhalt...bin auch mal wieder da und lese, daß es doch wirklich noch Menschen gibt Herr Herold, die den Mißstand mit Namen nennen, sich nicht scheuen, diese Truppe von Nichtstuern und Ausputzern ( Politiker) auf ihre wirklichen Aufgaben aufmerksam zu machen...ich sagte es ja schon mal, es lohnt immer wieder, hierher zu kommen...
schönen Tag noch, Saba

herold - 2008.01.28, 13:27

vielen dank für Ihren zuspruch. leider sind solche artikel nicht viel mehr als frust-ablassventile.
Saba (Gast) - 2008.01.28, 13:56

Meine Worte

dazu ja auch, aber schon darin erkennt man die Richtung, oder?...und irgendwie muß ja der Dampf abgehen ;-)...mehr Möglichkeiten haben wir ja nicht.
punctum - 2008.01.28, 16:04

man kann nur hoffen, dass dem einen oder anderen produzenten solcher demütigenden sendungen auch mal ein licht aufgeht. vier wochen rollstuhlzwang wären für diese leute vielleicht mal ganz praktisch und hilfreich...
toller artikel, herr herold.

herold - 2008.01.28, 17:59

für die gestalter dieser sendung muss es wahrscheinlich wirklich erst zappenduster werden, bevor ihnen ein licht aufgeht.
RokkerMur - 2008.01.28, 21:02

Ein Auslagern von Leistungen ist in Österreich zur Meisterschaft mutiert.
Staat weiß genau das sich viele (auch Vereine) das Geld nicht zurückholen und feiert daher die "Freiwilligen".

warteschlange - 2008.01.31, 08:29

Als ich bei der Caritas Betriebsrat war haben wir uns öfters darüber unterhalten.
404 - 2008.01.29, 17:43

Dunkel im Licht

Die ORF-Aktion kenne ich leider nicht. Sie klingt aber nicht gut. Kennt ihr dort unten keinen "Behinderten-Quote" in den Betrieben, die mit Steuervergünstigungen dafür wirbt, auch gehandicapte Mitmenschen einzustellen?

herold - 2008.01.29, 20:23

bei uns da unten (im orient) muss ein betrieb ab 25 mitarbeitern einen behinderten einstellen, oder mtl. 200 euro strafe zahlen.
leider kommen auch in diesem bereich weder der öffentliche dienst noch halboffizielle stellen ihrer vorbildfunktion nach.
anna25bell - 2008.01.29, 21:01

GENAU!!!

Stockfisch - 2008.01.30, 00:11

Bei uns gibt es das schon länger. Nur erkennt man die nicht sofort.

NaturElla (Gast) - 2008.01.30, 13:38

Super Beitrag

Herr Herold,
Gott sei Dank benötigen noch nicht alle Schwerbeschädigten einen Behindertenparkplatz. Manchen sieht man gar nichts an.
(Mein Sohn 90 % Schwerbehinderung , vollbeschäftigt,
ich 50 % Teilzeit)
Ihm sieht man äußerlich nur wenig an. Mir gar nichts. Krank schreiben lassen wir uns selten. Mein Sohn macht zur Zeit seine 2. Chemotherapie (48 Wochen) an Tagen an dem es ihm gut geht arbeitet er (bei gutem Arbeitgeber).

Wir unverschämten Schwerbeschädigten belasten unsere Gesellschaft und blockieren Arbeitsplätze.
Wir haben unsere Ausweise doch nur um uns einen Arbeitsplatz zu sichern.

Eine sehr Nette sagte mir:

"Ich finde das unmöglich mit diesen Ausweisen, was wollt ihr damit, bildest du dir ein du behältst deshalb deinen Job? Wenn du dich da mal nicht irrst. Wenn du nicht vorzeitig in Rente gehst muss ich auf 30 Stunden runter. Das kann ich mir nicht leisten. Ich muss an m e i n e Rente denken und gehe nicht mit Stunden runter"
Solche Nettigkeiten musste ich mir anhören.


Ich bin ein lebendes Beispiel dafür, dass man mit 30 Wochenstunden leben kann. Das sind bereits Abstriche genug. Ich bleibe so egoistisch wie die Nette meint und nehme keine weiteren Kürzungen bis zur Rente hin.

Ich möchte nicht weiter ausholen. Es gibt sicher noch schlimmere Beispiele.

Bin nur gespannt, was die Poliker weiter ausbrüten!!

Ella

Helmut (Gast) - 2008.02.01, 16:05

Behindert?

Viele Behinderte werden durch die Gesellschaft zusätzlich behindert.
Jeder Mensch sollte daran denken, dass ein Unfall oder eine Grippe ausreichen kann, gesundheitlich schwer geschädigt zu werden.
herold - 2008.02.01, 16:52

der behindertenanteil in unseren breiten beträgt 10 bis 15 prozent. die wahrscheinlichkeit, selbst einmal zu dieser gruppe zu gehören, ist also gar nicht so gering.
NaturElla (Gast) - 2008.02.02, 10:15

Genau das ist der Punkt, Herr Helmut. ;-)
warteschlange - 2008.01.31, 08:30

Das Konzept beruht auf dem Gegenteil von Behindertenversteckung - wie es früher üblich war.
Irgendwann ist der Wurm reingekommen.

SabineD - 2008.01.31, 11:47

Kann mich erinnern, so was auch schon gesehen zu haben. Da juckt mir allerdings der Zappfinger, obwohl ich prinzipiell kein Zapper bin und mich tapfer durch Werbung durchbeiße (reine Faulheit).

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